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Das Rätsel Ödipus

Vorwort

Dieses Buch handelt, vordergründig betrachtet, vom Inzesttabu und seinen Wurzeln. Weil diese aber, wie schon Sigmund Freud erkannte, tief in die Dynamik der sozialen Motivation hinabreichen, ist das, was am Paradigma der verbotenen Intimität mit den Vertrauten der ersten Lebensphase entwickelt wird, letztlich eine systematische Lehre von den Antriebsgrundlagen des zwischenmenschlichen Beziehungsgefüges überhaupt. Und da schließlich die Motivkräfte, die eine solche Analyse freilegt, zu einem guten Teil viel älter sind als der Mensch, stößt das Buch auf einer letzten Ebene zur Frage nach dem Spannungsbezug von Biologie und Gesellschaft, von Natur und Kultur vor.

Eine solche Themenstellung fordert zu einem interdisziplinären Ansatz heraus. Kann man heute überhaupt noch interdisziplinär forschen? Die Zeit der Universalgelehrsamkeit ist vorbei, und das Spezialistentum ist unser unentrinnbares Schicksal. Kein Einzelner kann das fächerübergreifende Wissen in sich vereinigen, das für eine vergleichende Anthropologie erforderlich wäre. Und bloß Fachlektüre aus zweiter Hand zu verarbeiten führt nicht über gutgemeinten Wissenschaftsjournalismus hinaus. Ein «Materialgefühl »für das Anliegen, die Induktionsbasis und den Denkstil der anderen relevanten Disziplinen läßt sich höchstens noch aus dem Dialog mit kompetenten Vertretern dieser Richtungen gewinnen.

Insofern komme ich nicht nur einer selbstverständlichen Höflichkeitspflicht nach, wenn ich an dieser Stelle Freunden und Kollegen aus anderen Fachgebieten meinen teilweise leider nur noch posthumen Dank abstatte, mit denen ich im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte Gelegenheit hatte, Fragestellungen dieses Buches zu diskutieren, und die mir durch die Vermittlung ihrer eigenen Perspektive halfen, meinen Weg durch dieses faszinierende Gebiet zu finden.

Aus dem Bereich der Kulturanthropologie habe ich hier vor allem George Peter Murdock zu danken, ferner Margaret Mead und Gregory Bateson, Walter Goldschmidt und Joseph Shepher sowie meinem Zürcher Kollegen Lorenz Löffler. Von soziologischer Seite hat Jürgen Habermas, ungeachtet seiner Feststellung, daß uns eigentlich «Welten trennen», seit langem verständnisvollen Anteil an meiner Arbeit genommen. Meine psychologischen Gesprächspartner aufzuzählen würde naturgemäß viel zu weit führen; es mag genügen, hier John BowIby und David McClelland zu nennen. Unter Psychoanalytikern mehr oder minder orthodoxer Provenienz bin ich vor allem Albert Görres, Ulrich Moser, Helm Stierlin und Alexander Mitscherlich verpflichtet.

Eine besondere Bedeutung für das vorliegende Thema kommt der Primatologie zu; hier habe ich unschätzbaren Gewinn aus dem Gedankenaustausch mit Jane Goodall, Hans Kummer, Christian Vogel, Donald Sade, Emil Menzel, William Mason und, auf einer anderen Ebene, David Premack ziehen können. in das an Fallstricken reiche Gebiet der soziobiologischen Evolutionstheorie hat mich John Maynard Smith eingeführt, in die Theorie der Selbstorganisation Hermann Haken und Klaus Hepp. Für den Problemkreis «Ethologie und Psychosomatik» war Dietrich von Holst ein wertvoller Gesprächspartner.

Zwei unvergeßliche Jahre durfte ich in unmittelbarem Kontakt mit Max Delbrück verbringen; vieles von dem, was nicht mehr in diesem Buche steht, wurde getilgt, weil es vor der Unerbittlichkeit seiner kritischen Denkdisziplin keinen Bestand hatte. Nicht eindeutig zu lokalisieren, aber stets voll unerwarteter Anregungen, waren die Diskussionen mit meinem Freund Jerry Lettvin, dem ich dieses Buch wahrscheinlich gewidmet hätte, wenn ich nicht ziemlich sicher wäre, daß er keine Bücher liest. Jedenfalls nicht so dicke.

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